Forschung mit einem Unterschied

Die Forschung ist eine Tätigkeit, die in alle Lebensbereiche eingreift und massgebend bestimmt, in welche Richtung und wie schnell heutige Entwicklungen ablaufen. Doch Forschung ist nicht immer gleich Forschung. Ernstzunehmende Forschung, die dann auch Politik und Bildung beeinflussen kann, muss dazu erst den Anforderungen der Wissenschaftlichkeit genügen. Der Zusammenhang zwischen Wissenschaft und Forschung ist eng und verleiht entsprechend oft dazu, Laien, Künstlerinnen, Wahrsagern, Kindern, ja sogar Tieren, eine Forschungsaktivität abzusprechen oder sie bestenfalls zu ignorieren. Zu unrecht, denn auch sie suchen, versuchen, erforschen und probieren neue Dinge und Wege aus. Der Begriff Forschung darf also durchaus aus der Umklammerung der Wissenschaft gelöst und in einem weiteren Sinne verstanden werden.

PIGVISION geht davon aus, dass in der Forschung auch Perspektiven und Methoden aus der Kunst entlehnt werden können. Sie untersucht in einem weiteren Schritt, inwiefern es angebracht sei, die Forschung sogar als besondere Gattung der Kunst zu betrachten. Zur Ergründung der Lebens- und Naturzusammenhänge sollen deshalb subjektiv getroffene, aesthetische Entscheidungen eine gleich grosse Rolle spielen wie pragmatische oder philosophische Erwägungen, und ein poetischer sowie metaphorischer Inhalt darf in Versuchsanordnungen bewusst in Betracht gezogen und hervorgehoben werden. Forschung, auch in der Schweinehaltung zum Beispiel, wird so zur Kunst.

Seit 1994 führte PIGVISION laufend Forschungsprojekte durch, die im virtuellen Institut auf dem World Wide Web publiziert werden. (Siehe dazu http://www.artschool.utas.edu.au/pigvision/ ). Im Zentrum des jüngsten Forschungsvorhaben “DAS KUBISCHE TAUSEND” stehen 1000 farbige Spielklötze, die in konkreten Auslegeordnungen einer Gruppe von Schweinen auf dem Boden vorgelegt werden. Zu jeder Ordnung stellt sich dann die Frage, wie sich die Schweine gegenüber deren charakteristischen Merkmalen verhalten. Ganz abgesehen davon, dass die Verhaltensweise des Schweines gegenüber den Spielklötzen wissenschaftlich untersucht werden kann, bietet das Projekt auch die Chance, durch künstlerischeres Urteilen und Verändern der Versuche, überraschende Entdeckungen und das Heranreifen neuer Theorien zu erleben, die sich auf die Schweine, die Forscher, Zuschauer und die Forschung allgemein beziehen können. Erlebnisse also, die sich letztendlich unter dem Titel “Ganzheitliches Forschen” zusammenfassen lassen.

Raymond Rohner, PIGVISION, Melbourne den 28.3.1998

Beitrag veröffentlicht am 10. April 1998

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