Umweltschonende Waschmittel seit 36 Jahren bei der Firma Held

 

Als Gottfried Held 1964 als erster in Europa ein phosphatfreies Waschmittel entwickelte und herstellte, stiess er auf Skepsis, ja auf offene Ablehnung: Weisse Wäsche ohne Phosphate sei unmöglich, hiess es. Doch 22 Jahre später - 1986 - wurden Phosphate in der Schweiz als Waschmittelsubstanzen verboten!

Heute atmen unsere Seen wieder wesentlich besser, doch Veränderungen des Wassermilieus durch schädliche Waschmittelsubstanzen, künstliche, nicht flüchtige Duftstoffe, optische Aufheller, Farbstoffe usw. passieren weiterhin. Vor allem die höheren Lebewesen in unseren Gewässern zeigen immer häufiger Veränderungen, die auf die Anreicherung solcher Stoffe in den Gewässern zurückzuführen sind. Dies trotz den rund 40 Milliarden Franken, die in den letzten Jahrzehnten in der Schweiz für die Erstellung und Erneuerung von Kläranlagen aufgewendet wurden.

Waschen ohne Öl und ohne Gentech
Gottfried Held setzte schon damals auf Waschmittel aus den bekannten und bewährten Produkten Seife und Soda. Dabei blieb er auch, als nach dem Zweiten Weltkrieg die Erdölchemie boomte und alle grossen Waschmittelhersteller auf synthetische Tenside umstellten. Nachwachsende Rohstoffe, die leicht und vollständig abbaubar sind, bilden auch heute die Grundlage der Held Wasch- und Reinigungsmittel. Damit tragen die Held Rohstoffe dank geschlossenem CO2-Kreislauf nicht zum Treibhauseffekt bei - ganz im Gegensatz zu konventionellen Produkten auf petrochemischer Basis. Doch Erdöl verbirgt sich in vielerlei Formen, nicht nur als Rohstoff: Als Energie für Transporte, Produktionsanlagen und Heizung, versteckt in Verpackungen und Anlagen. Moderner Umweltschutz muss umfassend sein, kann sich nicht nur auf Teilbereiche (Abbaubarkeit, Gewässerschutz) beziehen. Der 1998 erstmals erscheinende Held Umweltbericht legt nachweisbar - in Fakten und Zahlen - Zeugnis von dieser Denkweise ab.

Ein modernes Waschmittel besteht nicht nur aus Seife und Soda, verschiedene Zusatzstoffe wie Enzyme optimieren das Produkt. Unterdessen sind Enzyme, nicht zuletzt aus produktionstechnischen Gründen, fragwürdig geworden. Da eine gentechfreie Enzymproduktion nicht garantiert werden kann, verzichtet Held konsequent auf deren Einsatz.
Das Beispiel der Enzyme zeigt, wie sich die Schwerpunkte umweltgerechter Produktion analog zur sich ändernden Welt verlagern. Die künftige Ausrichtung jeder natur- und menschengerechten Produktion wird vermehrt auch soziale Aspekte einbeziehen müssen: Stimmen die Arbeitsbedingungen - im eigenen Betrieb, aber auch bei den Zulieferern? Ein Produkt hat nicht nur eine bestimmte Zusammensetzung, sondern auch eine soziale Geschichte der Entstehung, inklusive der Vorstufen.

1985 starb Gottfried Held 89jährig. Dass es die Firma Held heute noch gibt, ist Hans und Therese Ramseier zu verdanken. Mit ihrem Engagement legten sie die Grundlage für die heutige konsequente Umweltausrichtung der Firma. Hans Ramseier, Chemiker und Drogist, kam aus der Chefetage eines Grossverteilers und kannte die Konkurrenz. Mit seinen ausgezeichneten Kontakten zur Umweltschutzbewegung kannte er aber auch die Kundschaft, die neu im Mittelpunkt der Verkaufsstrategie stehen sollte: Engagierte Hausfrauen und Hausmänner, denen nicht nur das weisseste Weiss der Wäsche, sondern auch die Wasserqualität der Seen und Bäche ein Anliegen waren.
Hans Ramseier wurde zum Experten in Sachen umweltschonendes Waschen und Putzen.
Zusammen mit seiner Frau führte er den Betrieb zu einem rapiden Wachstum. Umsatz und Personalbestand wuchsen parallel. Gleichzeitig wurde laufend investiert, um den Fabrikationsbetrieb, in dem noch überall feiner Waschmittelstaub schwebte, auf einen modernen Stand zu bringen. Der hektische Auf- und Ausbau machte sich im Gesundheitszustand von Hans Ramseier bemerkbar: Er musste zurückstecken.

Qualität und Umwelt: nicht nur schöne Worte
Seit eine Gruppe privater Aktionäre und Markus Aerni als Geschäftsführer den Gang der Firma Held bestimmen, ist - neben dem weiteren Marktaufbau - die innere Entwicklung ein Hauptthema: Das umfasst die Straffung und Ökologisierung der Produktionsabläufe und den Ausbau des Aussendieristes genauso, wie die bewusste Pflege des sozialen Zusammenhalts am Arbeitsplatz. Viele Ideen kommen aus Mitarbeiterund Kundenkreisen, team- und projektorientiertes Schaffen ermöglichen die rasche und optimale Umsetzung. «Wir streben eine hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen wie auch der internen Leistungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.» Mit «wir» ist das Team gemeint, die Menschen, welche die Firma Held bilden. Patriarchale Führung hat ausgedient: In der heutigen Marktsituation sind die hochgesteckten Ziele nur mit einem hochmotivierten, eigenverantwortlichen Team zu erreichen.

22 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt die Firma Held zur Zeit: Menschen aus sechs Nationen. 1997 wurden über 1500 Tonnen Wasch- und Reinigungsmittel produziert. Natürlich ist Held, gemessen am gesamten Wasch- und Reinigungsmittelmarkt, ein Zwerg unter Giganten. Aber keiner der Waschmultis hat nur annähernd ein so durchdachtes, die produzierenden Menschen und die Natur einbeziehendes Qualitätsverständnis wie Held.

Seit dem Herbst 1997 ist die Umweltorientierung bei der Firma Held schon von weitem sichtbar: Eine 120 M2 grosse Photovoltaik-Anlage auf dem Dach der Fabfik produziert rund 12 000 Kilowattstunden Sonnenenergie pro Jahr. Dazu kommen 44 M2 Sonnenkollektoren zur Warmwasseraufbereitung, und in einem modernen Stückholzkessei werden Abfallholz der Stadt Thun und Einwegpaletten verbrannt. Das Holz der Stadt Thun wurde bisher für teures Geld in einer Nachbargemeinde kompostiert, und die Holzpaletten landeten gegen Gebühr auf der Deponie. Einen Teil des Sonnenstroms verkauft Held der EVVV, der Energie- und Wasserversorgung Steffisburg, und zusätzlich kauft Held Windenergie vom Mont Crosin im Berner Jura. Fazit dieser Innovationen: Held produziert zu 100% mit erneuerbaren Energien! Dass dabei so wenig Energie wie möglich verbraucht wird, versteht sich von selbst.

Gottfried Held lieferte den grössten Teil seiner Produktion an Wäschereien und Grosshaushalte. Die Privatkundschaft, hauptsächlich aus der Umgebung von Steffisburg, machte nur einen kleinen Teil des Umsatzes aus. Heute ist es gerade umgekehrt: 70% des Umsatzes bilden Wasch- und Reinigungsmittel, die an geschätzte 35 000 Haushalte gehen. Die Produkte werden über den Detailhandel, also Umwelt-Läden, Drogerien, Reformhäuser, freie Geschäfte und vielfach über Grossisten abgesetzt. Rund 20% machen Grosshaushalte wie Wäschereien, Heime, Spitäler usw. aus. 10% des Umsatzes bringen die Handreinigungspasten für das Gewerbe und die Industrie.

Weitere Informationen unter www.osolemio.ch

 

Beitrag veröffentlicht am 18. Juli 2000

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